Dreikönigssingen – Leseprobe

  Was für ein Höllenlärm. Diese Windböe war noch schlimmer als die vorherigen. Der Sturm rüttelte am Dach, als wollte er es mit einem Ruck herunterreißen. Überall heulte und stöhnte es. Als wären sie im Krieg. Dann plötzlich Stille. Von jetzt auf gleich. Bis es aufs Neue zu heulen begann, erst ganz leise, dann immer lauter. Tönne Oldenkott hielt sich im Kerzenschein an den Perlen des Rosenkranzes fest. Ein flackerndes Wetterleuchten erhellte den Himmel. Kahle Äste wurden vom Wind hin- und hergeworfen. Dann wurde das Flackern schwächer, und schließlich war die Nacht wieder tiefschwarz. „Gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus“, murmelte er. „Bitte für uns Sünder jetzt und in der Stunde unseres Todes.“ Dann nahm er die nächste Perle und begann von vorne: „Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade.“ Draußen in der Diele näherten sich Schritte. Die Küchentür wurde aufgedrückt, und der starke Luftzug hätte beinahe die Kerze gelöscht. Susanne stand vor ihm, in dem weiten Micky-Maus-T-Shirt, das sie als Nachthemd trug. „Papa? Bist du etwa auf? Was […]

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Titel finden

Rund 95.000 Neuerscheinungen gibt es im Jahr, etwa 260 Bücher pro Tag. Die Titel der Self Publisher sind da noch gar nicht mit eingerechnet. Braucht die Welt da noch ein weiteres Buch von mir? Besser nicht drüber nachdenken. Es gibt ja auch andere Probleme in Anbetracht der Bücherflut, nämlich: Wer zum Teufel weiß einen guten Buchtitel, den es noch nicht gibt? Es ist jedes Mal dasselbe: Meine Lektorin fragt mich verzweifelt nach irgendwelchen Ideen, ich frage sie verzweifelt zurück, und jedes Mal, wirklich jedes Mal, wenn einer eine Idee hat, die nicht völlig bescheuert ist, dann stellt sich heraus: Ein Buch mit dem Titel gibt es schon.     Da ist es auch ganz egal, wie vermeintlich exotisch man unterwegs ist. Eins meiner Bücher spielt auf dem Bullenball, der jährlich stattfindenden Landjugend-Mega-Party in Münster. Toller Titel, denkt man: Bullenball. Aber als dann das Buch im Korrektorat ist und das Cover vorbereitet wird, sitze ich im Münsterland am Frühstückstisch und lese in der Lokalzeitung: Komparsen für den nächsten Wilsberg-Krimi gesucht. Arbeitstitel: […]

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Auf Lesereise

Ich lebe schon fast zwanzig Jahre in Berlin, aber in einer Sache, habe ich gemerkt, unterscheiden sich die Berliner auch nicht von den Münsterländern: Ich werde immer ein Zugezogener sein. Vor der zweiten Generation geht da gar nix. Wenigstens nicht für die Urberliner. Aber wer wie ich mit Töttchen abgestillt wurde, der bleibt eh sein Leben lang ein Münsterländer Junge. Auch das ist so eine Wahrheit. Und so sind Lesereisen für mich oft Reisen in meine alte Heimat – dahin, wo meine Bücher spielen. Ein erfreulicher Nebeneffekt ist, dass ich heute endlich die vielen Dörfer und Städtchen kennenlerne, an denen ich früher nur vorbeigefahren bin. Heimatkunde stand mit siebzehn nicht so hoch im Kurs. Damals ging’s darum, nach Coesfeld zur Fabrik zu trampen oder einen zu finden, der nach Borghorst ins Cartoon fährt. (Im Rückblick würde ich ja sagen, in den späten 80ern konnte es die Fabrik locker mit jedem Berliner Szeneclub aufnehmen, oder? War es da damals eigentlich wirklich sooo unfassbar underground?) Der Baudenkmäler am Nottulner Kirchplatz oder das […]

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Leseprobe: Schützenbrüder

Sandra Lütke-Wietholt – seit Günni denken konnte, war er hinter ihr her. Schon in der Schule, als sie zwei Klassen über ihm war und mit ihrer Oberweite alle Jungs verrückt gemacht hatte. Auch zehn Jahre später hatte sich nicht viel daran geändert, und ihr eindrucksvolles Dekolleté war noch immer der Hingucker auf dem Schützenfest. Heute war Günnis große Nacht. Denn es passierte das, was er niemals zu träumen gewagt hätte: Sandra Lütke-Wietholt machte ihm eindeutige Avancen. Den ganzen Abend schon. Unfassbar. Dabei war es nicht in erster Linie ihr Ausschnitt, der ihn fertig machte. Auch der strohblonde Pony und ihr Pferdelachen waren großartig. Wenn sie loswieherte, war der Raum gleich voller Leben. Und das Gute war, sie lachte einfach ständig. Eine schönere Frau als Sandra Lütke-Wietholt konnte er sich auf dem ganzen Planeten nicht vorstellen. Jedenfalls nicht heute Nacht. Hätte er nur nicht so viel getrunken. Aber er war nun mal so aufgeregt, und seine Kumpels ließen ihn auch nicht zur Ruhe kommen. An der Theke folgte die eine Bierlatte […]

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Ein Buch nimmt Gestalt an

In ein paar Wochen ist es soweit: „Schützenbrüder“ kommt auf den Markt. Der erste Fall für Tönne Oldenkott. Einen Slogan gibt es schon: Sein Name ist Oldenkott. Tönne Oldenkott. Er ist Bauer. Er ist stur. Und er hasst ungeklärte Verbrechen. Man merkt schon: Es geht diesmal in Richtung Comedy. Dabei war das am Anfang gar nicht geplant. Mein erster Krimi ohne Kommissar Bernhard Hambrock …. Der sollte zuerst völlig anders werden. Düster nämlich. Tragisch. Ein Regenwetter-Roman. Als Hauptfigur hatte ich einen alten Bauern geplant, dessen Frau vor vielen Jahren gestorben ist. Der an seiner Einsamkeit leidet, an dem Schwinden seiner Kräfte und vor allem am Wandel der Welt. Einen Fall hatte ich auch schon konstruiert, alles war völlig durchdacht. Aber als ich zu schreiben anfing, da wurde mir klar: Das habe ich alles schon mal gemacht. In ‚Düstermühle’ nämlich. Oder in ‚Das Geheimnis von Vennhues’ und in ‚Schneetreiben’. Irgendwie war ich in einer Sackgasse.   Es heißt ja: Tragödie und Komödie liegen nah beieinander. Man muss nur ein ganz klein […]

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Auf zu neuen Ufern

Es hat sich ja inzwischen schon rumgesprochen, dass ein neuer Münsterland-Krimi erscheinen wird. Den Sommer über habe ich daran herumgeschrieben, mehr zum Spaß als mit wirklichem Ziel. Aber dann ging plötzlich alles ganz schnell, und jetzt wird „Schützenbrüder“ noch in diesem Jahr erscheinen!   Aber der Reihe nach: Nachdem im letzten Jahr „Landgericht“ erschienen war, wusste ich zuerst nicht, wie’s weitergeht. Der sechste Fall für Kommissar Hambrock war zwar nicht als Abschluss der Reihe geplant. Aber mit diesem Buch wurde der letzte offene Vertrag mit dem Piper-Verlag erfüllt. Was bedeutete: Neue Vertragsverhandlungen standen an. Aber ich wusste da noch gar nicht, ob und wie die Geschichte mit Hambrock weitergeht. Irgendwie war da das Gefühl, eine Pause muss her.   Über die Jahre ist mir Bernhard Hambrock sehr ans Herz gewachsen. Bei seinem ersten Auftritt (im „Geheimnis von Vennhues“) war er noch gar nicht als Serienfigur angelegt. Er sollte nur der Gegenspieler der Hauptfigur Peter Bodenstein sein. Bodenstein kehrt in dem Roman nach über zwanzig Jahren ins Münsterländer Dorf Vennhues zurück, […]

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Akte X – Düstermühle

Als das Landwirtschaftliche Wochenblatt für Westfalen-Lippe eine große Homestory von mir gemacht hat, wären meine Eltern fast geplatzt vor Stolz. Wenn ich zwei Seiten im SPIEGEL bekommen hätte, wäre das sicher auch nett gewesen. Aber das Landwirtschaftliche Wochenblatt! Du liebe Güte: Jetzt war ich endgültig eine Berühmtheit. Meine Eltern betreiben einen kleinen Bauernhof im Münsterland. Dort sind die Orte meiner Kindheit: die Moorgebiete, die Wasserburgen, die Wallhecken und Radwege. Diese Welt kenne ich so gut wie keine andere. In meinen Büchern findet sich das alles wieder. Nur tragen die Ortschaften keine echten, sondern fiktive Namen. Schließlich möchte ich nicht, dass jemand glaubt, ich hätte ihn oder sie mit einer Romanfigur gemeint. Das größte Kompliment habe ich mal von einem Pfarrer bekommen, der nach einer Lesung auf mich zukam und meinte: Er habe das Buch ja schon gelesen, und „Herr Holtkötter, ich sage Ihnen: Ich habe sie ALLE wiedererkannt.“ Dieser Pfarrer dachte nämlich, ich hätte sein Dorf gemeint. Alle Romanfiguren gab es dort offenbar. Tatsächlich aber war ich nie zuvor in […]

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Hallo Welt!

Erster Beitrag: Mein Kampf mit der Technik … … ich werde siegen! (glaub ich.)    

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